Mit 67 in 25 Quadratmeter: was Helga über Downsizing im Rentenalter gelernt hat
Helga Brettner, 67, hat im Sommer 2025 ihre 90-qm-Mietwohnung in Stuttgart-West gegen ein 25-qm-Studio in einer betreuten Wohnanlage getauscht. Eine bewusste Entscheidung — Mann verstorben, Tochter in Hamburg, Treppe wurde unbequem. Acht Monate später haben wir sie besucht und gefragt: Was ist anders? Was war schwer? Und vor allem: Welche Möbel funktionieren wirklich, wenn man mit 67 plötzlich auf einem Drittel der bisherigen Fläche lebt?

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Helga und ihr Mann hatten die 90-qm-Wohnung in Stuttgart-West 28 Jahre lang. Drei Zimmer, Balkon, Altbau-Charme — und 78 Stufen ins zweite OG. „Mit 60 war das eine sportliche Aufgabe", sagt sie, „mit 65 nach der Hüft-OP wurde es ein Hindernis." Als ihr Mann 2023 verstarb, blieben drei Zimmer, von denen sie zwei kaum noch betrat. „Ich war abends im Wohnzimmer. Tagsüber in der Küche. Das Schlafzimmer war zum Schlafen. Das dritte Zimmer war seit zwei Jahren ein Lagerraum für Sachen, die ich nicht wegwerfen konnte."
Im Frühjahr 2025 entschied sie sich. Eine 25-qm-Servicewohnung in einer betreuten Anlage am Rand von Stuttgart-Vaihingen — ebenerdig, Aufzug, Notruf, Hausmeister im Haus. Miete: 720 Euro warm. Das war 200 Euro mehr als die alte Wohnung mit ihrer Sozialbindung. „Aber ich spare jetzt 50 Euro Strom im Monat, weil das Volumen so klein ist. Und 80 Euro für eine Putzkraft, weil ich es allein schaffe." Unterm Strich: ein Plus von 70 Euro. Mit dem Service eines Hausmeisters, eines Notrufs und eines geheizten Aufzugs.
Die Entscheidung war pragmatisch. Schwer war nur das, was zwischen den 90 und 25 Quadratmetern passierte: das Auswählen.
„Drei Wochen lang stand ich in den drei Zimmern und habe Kartons gepackt", erzählt Helga. Tochter half am Wochenende. Was nicht in einem von vier Kartons (Sofort, Tochter, Spende, Müll) Platz fand, blieb in den Zimmern als „unentschieden" — und das war anfangs alles.
Was am Ende mitgekommen ist: das Hochzeitsbett (140×200, gepolstert), zwei Esstischstühle, ein Sessel, ein Wandregal, sechs gerahmte Familienfotos, der Kaffeevollautomat, drei Töpfe, sieben Tassen. „Vom Geschirr hatte ich vorher zwei volle Schränke. Jetzt habe ich vier Teller, vier Schüsseln, sieben Tassen. Mehr brauche ich nicht — ich esse alleine."
Den Esstisch hat sie gespendet. „Sechs Stühle plus Tisch — das hätte zwei Drittel der neuen Wohnung gefüllt. Ich besuche Tochter in Hamburg, Tochter besucht mich. Wenn sie kommt, essen wir am Wandklapptisch. Drei Mal im Jahr — dafür kein Esszimmer halten."
Eine Frage, mit der sie viele konfrontierten: Reicht nicht ein 90er-Bett auf 25 qm? Helga hat 140×200 behalten. „Ich bin 1,68 m, mein Mann war 1,82 — wir haben immer 140 gehabt. Ein 90er-Bett mit 67 ist nicht das, womit man sich morgens umdrehen will. Auf 25 qm ist das Bett nicht der Bereich, an dem man spart — der Schlaf entscheidet, ob die Tage gut werden."
Das Bett bekam einen Bettkasten mit Hydraulik-Lift — das Juskys Nizza Polsterbett für 349 Euro. Tochter hat es zusammengebaut. „380 Liter Stauraum unter dem Bett, das ist meine Winterjacke, meine Daunendecke und das Familienalbum. Drei Schubladen weniger im Schrank."
Was sie ausdrücklich nicht wollte: ein Hochbett. „Mit 67 ist eine Leiter nachts ein Risiko. Selbst wenn ich technisch hochkomme, will ich nicht im Dunkeln runter. Hochbetten sind für unter 60. Bett mit Bettkasten ist die richtige Lösung — die Stauraum-Logik ist die gleiche, ohne Sturzrisiko."
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Die Küchenzeile in der neuen Wohnung ist 1,80 m lang — Spüle, Zwei-Platten-Kochfeld, Mikrowelle, ein 35-cm-Kühlschrank. „Mehr brauche ich nicht. Ich koche einmal pro Woche eine Suppe für drei Tage und dann wieder eine."
Was fehlte: Ein Tisch zum Frühstücken. Der alte Esstisch wäre 160 cm lang gewesen — unmöglich. Die Lösung war ein Wandklapptisch von SoBuy: FWT03-W, 60×40 cm, an der Wand fixiert mit drei Bohrungen, zugeklappt nur 8 cm Tiefe.
„Tochter hat den ersten Sonntag damit verbracht, zu bohren. Drei Stunden, zwei Spreizdübel hatten Probleme mit der Wand — Stuttgarter Altbau, weiß man nie. Aber jetzt klappt es. Morgens runter, Tasse Kaffee, Brötchen, Zeitung. Mittags hochgeklappt, mehr Platz für den Sessel. Wenn Tochter kommt: zweiter Stuhl gegenüber, Mittagessen für zwei, danach hochgeklappt."
Kosten: 109,99 Euro. „Drei Mal im Jahr Tochter zu Besuch — pro Mahlzeit also etwa 18 Euro Tisch-Anteil über zehn Jahre. Das Sofa kostet pro Sitz mehr."
Das Bad ist 3,2 qm — Sitzdusche statt Wanne (ihre eigene Wahl, „mit 67 will ich keine Wanne mehr, in der ich liegen müsste"), Waschbecken, WC. Schrankraum: zwei Mini-Schränke. „In Stuttgart-West hatte ich einen Apothekerschrank mit 18 Fächern. Hier passen vielleicht 15 Sachen rein — Zahnpasta, Shampoo, Seife, sieben Medikamente, Augentropfen, ein paar Pflaster."
Die Lösung war ein Teleskop-Regal über dem WC: KDR Teleskop-Regal — 4 Ebenen, klemmbar zwischen Boden und Decke, ohne Bohren. „Tochter hatte Bedenken: Mama, das Ding kann doch umfallen?. Tut es nicht — es ist seit acht Monaten da und ist fester als manches Möbel. Aber ich greife nicht auf die obere Ebene. Da liegen Sachen, die ich nur einmal pro Jahr brauche."
Was im Alter wichtig wird, sagt Helga: „Greifhöhe zwischen 80 und 160 cm. Alles, was ich nicht ohne Hocker erreiche, ist im Alltag tot. Tochter hat gemerkt: Die obere Ebene des Regals ist meine Schwester-Schicht — sie räumt da Sachen rein, wenn sie zu Besuch ist." Für die Dusche selbst hat sie sich für die einfachste Lösung entschieden: SANNO Saugnapf-Duschablage für 16 Euro. „Saugnapf, fünf Minuten Montage, hält. Wenn der Saugnapf irgendwann nachgibt, kaufe ich eine neue. Reichen muss es."
Im Schrank ist Platz für eine Saison. Sommer- und Winterkleidung gleichzeitig dort unterzubringen — geht nicht. „Ich hatte das in Stuttgart-West gar nicht ernst genommen. Da hatte ich einen ganzen Schrank für Wintermäntel."
Die Tochter hat ihr Amazon Basics Jumbo Vakuumbeutel mitgebracht. Fünf Stück, je 105×80 cm. Drei für die Winterjacken, einer für die Daunendecke, einer für Reserve. „Im April habe ich zum ersten Mal Vakuumbeutel benutzt — mit 67. Tochter hat den Staubsauger angesetzt, nach 90 Sekunden waren drei Winterjacken auf ein Drittel ihrer Größe komprimiert. Ich habe gelacht."
Die komprimierten Beutel liegen jetzt im Bettkasten. „Im Oktober hole ich sie raus. Bis dahin brauche ich den Platz für die T-Shirts." Sie hat zwei kritische Punkte angemerkt: „Erstens muss man den Staubsauger schwer halten — das geht mit 67 schlechter als mit 30. Tochter hat das übernommen. Zweitens darf man keine empfindlichen Materialien reintun — meine Wollpullis hat sie nicht in den Vakuumbeutel gepackt, sondern in einen normalen Kleidersack mit Lavendel."
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„Wer mit 60+ überlegt, ob er kleiner wohnen soll — meine Empfehlung: Nicht warten, bis es körperlich nicht mehr geht. Wechseln, solange du noch selber Kartons packen kannst. Mit 67 ging das. Mit 75 wäre ich nicht mehr fit gewesen, drei Zimmer auszuräumen."
Was sie an der neuen Wohnung am meisten schätzt, ist nicht das Geld, das sie spart, oder die Quadratmeter, die sie nicht mehr putzt. Es ist die Übersichtlichkeit. „Ich weiß, wo alles ist. In Stuttgart-West habe ich oft drei Stunden Sachen gesucht, die irgendwo lagen. Hier gibt es vier Schubladen, zwei Schränke und einen Bettkasten. Wenn ich etwas suche, dauert es zwei Minuten."
Vier Möbel-Empfehlungen, die sie an Gleichaltrige weitergibt:
- Bett mit Bettkasten, kein Hochbett. Stauraum unter dem Bett ist im Alter Pflicht — eine Leiter abends nicht. Das Juskys Nizza oder Homestyle4u sind gute Optionen.
- Wandklapptisch statt Esstisch. Drei Mahlzeiten pro Woche mit Gästen rechtfertigen keinen permanenten 160-cm-Tisch. Der SoBuy FWT03-W ist genau richtig.
- Teleskop-Regal über dem WC, nicht über der Dusche. Im Bad ist über dem WC der ungenutzte Bereich — und sicherer zu erreichen als über der Dusche. KDR Teleskop-Regal ist die richtige Wahl.
- Vakuumbeutel mit Staubsauger-Hilfe. Saisonkleidung-Wechsel ist im Alter mehr Belastung als gedacht. Amazon Basics Jumbo sind günstig und funktionieren — aber lass jemanden helfen.
Hinweis: Diese Reportage basiert auf einem Interview mit Helga Brettner im April 2026. Name geändert, Orte und Maße authentisch. Helga lebt in einer betreuten Wohnanlage in Stuttgart-Vaihingen.
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